Die glorreichen Sieben (2016)

Wenn ein Regisseur das Remake eines großen Klassikers vorlegt, muss er sich zwangsläufig dem Vergleich mit dem Original stellen. Dies war auch schon im Jahr 1960 bei John Sturges und Die glorreichen Sieben, seiner amerikanisierten Westernversion von Akira Kurosawas Die sieben Samurai, der Fall. Antoine Fuqua setzte sich nun gewissermaßen dem Vergleich mit beiden Vorläufern aus. Dabei weist sein Film Die glorreichen Sieben, von der Ausgangssituation einmal abgesehen, kaum noch Ähnlichkeiten zum japanischen Original des Jahres 1954 auf. Auch wenn Fuqua in Interviews auf die Eigenständigkeit seines Films pochte, ist sein Western vielmehr – neben der offensichtlichen Genre-Zugehörigkeit – eine Hommage an John Sturges‘ Werk.

Besonders bemerkbar macht sich dies durch einzelne Dialoge (z.B. der Stockwerk-Witz), gewisse Handlungsabläufe und der Verwendung der berühmten Titelmelodie von Elmer Bernstein im Abspann. Aber auch sonst vermittelt Fuquas Neuverfilmung einen angenehm altmodischen Eindruck und versprüht durchaus einen ähnlichen Charme wie der Original-Western. Dies ist vor allem dem tollen Ensemble geschuldet, das den sieben Helden Leben einhaucht. Angeführt vom stets verlässlichen Denzel Washington, der trotz seinen mittlerweile 61 Jahren immer noch genügend dynamische Präsenz für zwei Filme ausstrahlt, überzeugen auch Chris Pratt, Ethan Hawke und Byung-hun Lee, die sich wunderbar homogen in das Western-Setting einfügen. Das Highlight des Septetts ist jedoch der bullige Vincent D’Onofrio als Fährtenleser Jack Horn, der hinter der rauen Fassade seiner Figur einen Menschen mit Herz und Humor erkennen lässt und dem man ein eigenes Spin-off wünschen würde. Aber auch Peter Sarsgaard gibt einen diabolisch guten Schurken ab, verliert leider jedoch das Duell gegen die zu eindimensionale Konzipierung seines Charakters Bartholomew Bogue. Gegen Ende hinterlässt die Figur sogar nichts als reine Enttäuschung beim Zuschauer.

Dies ist wohl auch der größte Schwachpunkt, den Die glorreichen Sieben mit seinen beiden Vorgängern teilt: Die Handlung wirkt zu rund und simpel gestrickt und versucht gar nicht erst, irgendwelche Ecken und Kanten zu liefern. Überraschungsmomente sucht man als Zuschauer deshalb vergeblich, vom Drehbuch des True Detective-Schöpfers Nic Pizzolatto wäre da durchaus mehr zu erwarten gewesen. Dass der Story in Fuquas Remake ein Rachemotiv und andere neue Einfälle (z.B. Gatling Gun) zugefügt werden, kann am Ende allerdings keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, um sie aus dem Mittelmaß herauszuheben.

Diese Erkenntnis hilft natürlich denen, die dem Remake-Wahn Hollywoods eher kritisch gegenüberstehen und Argumentationshilfen gegen die Rechtfertigung von Klassiker-Neuverfilmungen suchen. Tatsächlich bleibt Fuqua nämlich den Beweis schuldig, dass derartige Filme wirklich vonnöten sind. Losgelöst von den Vorgängern, ist Die glorreichen Sieben jedoch ein unterhaltsames Western-Abenteuer mit sympathischen Charakteren und erstaunlich unblutiger Baller-Action. Letztere erreicht am Ende ihren Höhepunkt, bei der es als Zuschauer zuweilen jedoch schwerfällt, die Übersicht zu behalten. Davon abgesehen, beherrschen Fuqua und seine Crew das Standard-Prozedere eines Westerns, mitsamt den tollen Panorama-Einstellungen und Close-ups sowie der genretypischen Tongestaltung. In Anbetracht der heutigen Zeit hätte der Film gerne „dreckiger“ ausfallen und mehr Mut zur Unkonventionalität beweisen dürfen. Den Spaß im Kino mindert das letztendlich allerdings nicht.

© Sony Pictures Releasing

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