The Nice Guys (2016)

Wenn man wie Shane Black für die Drehbücher zu Filmen wie Last Boy Scout und der Lethal Weapon-Reihe verantwortlich war, die immerhin das Genre der Buddy-Actionkomödie entscheidend mitprägten, dann baut man fast automatisch eine gewisse Erwartungshaltung auf. Dieser ist es wohl auch geschuldet, dass seine dritte Regiearbeit The Nice Guys nicht so recht zünden mag, wie es sich Black selbst und seine Fans wohl gewünscht hätten. Dabei scheinen die Zutaten seines Films geradezu perfekt für eine spaßige Action-Revue zu sein: Zwei ungleiche Typen, die sich widerwillig zusammenraufen, die späten 70er Jahre als zeitlicher Schauplatz und eine schmutzige Detektivgeschichte, in der Pornostars, Auftragskiller und Leichen eine übergeordnete Rolle spielen.

Trotz dieser Komponenten erreicht The Nice Guys fast nie die Klasse von Shane Blacks Regiedebüt Kiss Kiss, Bang Bang aus dem Jahr 2005. Vor allem in puncto Dialogwitz fehlt es seinem aktuellen Film an Schärfe und ironischen Pointen (von denen die besten bereits im Trailer gezeigt wurden). Auch die Story ist weit weniger ausgebufft und raffiniert, wie im ersten Film des 54-jährigen. Es wäre jedoch mehr als unangebracht, The Nice Guys als missraten zu bezeichnen. Dafür beherrscht Black sein Handwerk dann doch zu gut, um die Noir-Komödie nicht in die Belanglosigkeit abdriften zu lassen. Einen großen Anteil daran haben die tollen Charaktere bzw. deren Darsteller. Allen voran Ryan Gosling, der als trotteliger Privatdetektiv Holland March eine brüllend komische Vorstellung abliefert und dabei für die meisten Gags des Films sorgt. In einer für ihn ungewohnten Rolle beweist er ein hervorragendes Gespür für das richtige Timing und sein Talent für Situationskomik. An seiner Seite bietet Russell Crowe als raubeiniger Berufsschläger Jackson Healy hingegen ein vertrautes Bild. Die Chemie zwischen beiden stimmt jedoch, weshalb es auch große Freude macht, dem Duo bei der Interaktion zuzusehen. Die große Entdeckung des Films ist allerdings die 15-jährige Australierin Angourie Rice, die als frühreife Filmtochter von Ryan Gosling zu bewundern ist. Wie sie als clevere und neugierige Holly ihrem überforderten Vater Kontra gibt, gehört zu den besten Szenen des Films und es wäre verwunderlich, wenn sie in Zukunft nicht häufiger auf der Leinwand auftauchen würde.

Die weiteren Nebenrollen sind u.a. mit Kim Basinger als Justizministerin oder Keith David und Beau Knapp als Killer-Duo zwar ebenso erfreulich besetzt, jedoch wird hier das Potenzial ihrer Charaktere leider verschenkt. Ein Resümee, das gewissermaßen auch auf den gesamten Film angewendet werden kann. So wird beispielsweise das Retro-Feeling vom Los Angeles der 1970er-Jahre (für das zum großen Teil Georgia als Drehort diente), trotz angepasster Kostüme und detailreichem Setting, nicht vollends übermittelt. Gerade beim Soundtrack wäre hier deutlich Luft nach oben gewesen. Da reicht es am Ende auch nicht, langhaarige Jugendliche beim Demonstrieren zu zeigen, um Nostalgie aufkommen zu lassen.

Shane Black wollte mit The Nice Guys allerdings auch kein Sittenbild dieser Epoche inszenieren, sondern eine Action-Komödie, die lediglich zu dieser Zeit spielt. Infolgedessen dienen die politischen Themen im Film auch keiner ernst gemeinten Kritik, sondern einzig und allein dem Unterhaltungswert der Geschichte. Genau wie seine Protagonisten hat The Nice Guys das Herz am rechten Fleck und ist in seinen besten Momenten ein gelungenes Potpourri aus Gags und Gewalt. Die Nachhaltigkeit von Blacks früheren Werken wird er dennoch nicht wiederholen können. Da das Publikum sich mit hoher Wahrscheinlichkeit amüsieren wird, kann der Regisseur dies jedoch sicher verschmerzen.

© Concorde Filmverleih

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