Unbroken (2014)

Amerikanische Heldengeschichten im Film müssen sich sehr oft den Vorwurf gefallen lassen, zu pathetisch zu sein, zu eindimensional. Und das auch zu recht. Auch Angelina Jolies zweite Regiearbeit Unbroken ist nicht frei von erwähntem Pathos und zuschauerwirksamen Elementen, die dieses Genre sehr oft mit sich bringt. Überraschend ist, dass sich diese jedoch in Grenzen halten und dadurch die mitreißende Geschichte des Olympia-Athleten Louis Zamperini zu einem bewegenden Kino-Erlebnis wird, auch dank des noch relativ unbekannten Jack O’Connell in der Titelrolle.

Unbroken ist gewissermaßen in drei Kapitel unterteilt. Der erste Part widmet sich dem Werdegang Louis‘ vom rebellischen Spross der italienischen Einwandererfamilie Zamperini zum talentierten Läufer des Leichtathletik-Teams seiner Schule. Dort wird er mit Hilfe des Trainings seines Bruders zum schnellsten Athleten, was ihm große Aufmerksamkeit und schließlich eine Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Berlin 1936 einbringt. All dies erleben wir als Erinnerung Zamperinis, während er im Zweiten Weltkrieg bei der Air Force als Bombenschütze dient. Bei einer Rettungsmission stürzt das Flugzeug mit ihm und seinen Crewmitgliedern über dem Pazifik ab, wobei die meisten ihr Leben verlieren. Lediglich Louis selbst, der Pilot Russell und der Heckschütze Mac überleben den Absturz und können sich auf ein Schlauchboot retten.

Hier beginnt der zweite Abschnitt des Films, der den Überlebenskampf der drei auf dem Ozean schildert. Dabei müssen sie nicht nur Hunger, Durst und die unerbittliche Hitze überstehen, sondern sich auch Haiangriffen erwehren. Ein Martyrium auf dem Wasser, das durch ein noch schlimmeres abgelöst wird, als sie von einem japanischen Schiff entdeckt  und in ein Kriegsgefangenenlager gebracht werden. Damit wird der dritte und finale Akt eingeleitet, der den übermenschlichen Überlebenswillen Zamperinis am eindrucksvollsten widerspiegelt.

Das Thema Kriegsgefangenschaft wurde schon zigfach filmisch verarbeitet und sicherlich auch schon besser als in Unbroken. Jedoch lässt es sich kaum vermeiden, dass man mit dem Protagonisten mitleidet und -fiebert. Einer der Hauptgründe dafür ist das Psychoduell zwischen Zamperini und dem Lager-Aufseher „Bird“ Watanabe, dargestellt vom japanischen Musiker Miyavi in seinem Schauspieldebüt. Diese eher unkonventionelle Besetzung erweist sich als wahrer Glücksgriff Jolies. Miyavis jugendliche, unschuldige Gestalt, die konträr zu dem sadistischen und boshaftem Charakter seiner Figur steht, macht ihn zu einem interessanten Bösewicht, der dem Film im letzten Drittel Aufschwung verleiht. Der Japaner verkörpert den Antagonisten perfekt und kann durchaus als eine kleine Entdeckung angesehen werden.

Während in den Kriegsszenen im ersten Kapitel des Films hauptsächlich optische Schauwerte und Action im Vordergrund stehen, geht es beim Überlebenskampf auf dem Ozean wesentlich ruhiger zu. Dabei ist dieser Teil der Handlung jedoch etwas zu lang geraten, was die Geduld des Zuschauers auf eine harte Probe stellt. Belohnt wird er jedoch mit der starken dritten Episode des Films. Hier setzt Angelina Jolie dramaturgisch auf bewährte Mittel, um das Leiden ihres Helden zu verdeutlichen: Körperliche Misshandlungen, psychische Qualen, der Tod droht zu jedem Augenblick. Dieses Einmaleins des Kriegsgefangenenfilms ist natürlich etwas zu konventionell geraten, rutscht aber dank der tollen Darstellerleistungen nie ins Belanglose ab. Wirklich schade hingegen ist, dass die Figur des Russell (überzeugend gespielt von Domhnall Gleeson) ohne große Erklärungen „verschwindet“. Auch wenn der Charakter nur eine Nebenfigur ist, hätte er durchaus mehr verdient gehabt.

Insgesamt merkt man Unbroken etwas zu sehr seine Oscar-Ambitionen an. Mehr Mut zu Ecken und Kanten hätten Jolies Film sicherlich gut getan. Zu glatt kommen einige Szenen daher, was anhand der Drehbuch-Mitwirkung von Joel und Ethan Coen verwunderlich ist. Ein Meisterwerk sollte man also beim Anschauen nicht erwarten. Dennoch ist Unbroken ein sehenswerter und mitreißender Film, dessen Oscar-nominierte Kameraarbeit beeindruckende Bilder liefert.

© Universal Pictures

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